Digitale Kompetenzen im Fokus

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Wer kann mit dem digitalen Wandel Schritt halten und wer nicht? Wie verändert KI die Anforderungen an digitale Kompetenzen und in welchen Bereichen besteht Entwicklungsbedarf im Hinblick auf die Stärkung digitaler Kompetenzen?

Digitale Kompetenzen gewinnen in unserer zunehmend digitalisierten und vernetzten Welt kontinuierlich an Bedeutung: Personen, denen digitale Grundkompetenzen fehlen, riskieren zunehmend, von wirtschaftlicher, sozialer, politischer und kultureller Teilhabe ausgeschlossen zu werden. Die Kluft zwischen denjenigen, die über die nötigen Kompetenzen verfügen, um digitale Technologien in ihrem Alltag selbstbestimmt und sicher nutzen zu können, und denjenigen, denen diese Kompetenzen fehlen, wird im gesellschaftlichen Diskurs als «digitale Kluft» oder als «digitaler Graben» bezeichnet. Mit den rasanten technologischen Entwicklungen im Bereich KI verändert sich gleichzeitig, welche digitalen Fertigkeiten Menschen heute und in Zukunft brauchen werden und wie sich unser Umgang mit digitalen Anwendungen und Geräten verändern wird – etwa durch den Einsatz von KI in Kommunikation, Informationssuche, Entscheidungsunterstützung und der Interaktion mit digitalen Plattformen. Im diesjährigen DigitalBarometer untersuchen wir daher zwei Aspekte digitaler Kompetenz: Erstens messen wir digitale Grundkompetenzen mit demselben Index, wie wir sie bereits 2024 gemessen haben. Zweitens analysieren wir, wie sich die Schweizer Bevölkerung im Hinblick auf ihre KI-Kompetenzen einschätzt. Dabei fokussieren wir auf drei Dimensionen: Wissen zu KI, Anwendungsfähigkeiten und kritische Reflexion rund um Chancen und Risiken von KI. Beide Messungen beruhen auf dem europäischen Referenzrahmen. Details zu den Messungen sind im Kapitel «Methoden» aufgeführt.

Digitale Kompetenzen gewinnen in unserer zunehmend digitalisierten und vernetzten Welt kontinuierlich an Bedeutung: Personen, denen digitale Grundkompetenzen fehlen, riskieren zunehmend, von wirtschaftlicher, sozialer, politischer und kultureller Teilhabe ausgeschlossen zu werden. Die Kluft zwischen denjenigen, die über die nötigen Kompetenzen verfügen, um digitale Technologien in ihrem Alltag selbstbestimmt und sicher nutzen zu können, und denjenigen, denen diese Kompetenzen fehlen, wird im gesellschaftlichen Diskurs als «digitale Kluft» oder als «digitaler Graben» bezeichnet.

Mit den rasanten technologischen Entwicklungen im Bereich KI verändert sich gleichzeitig, welche digitalen Fertigkeiten Menschen heute und in Zukunft brauchen werden und wie sich unser Umgang mit digitalen Anwendungen und Geräten verändern wird – etwa durch den Einsatz von KI in Kommunikation, Informationssuche, Entscheidungsunterstützung und der Interaktion mit digitalen Plattformen. Im diesjährigen DigitalBarometer untersuchen wir daher zwei Aspekte digitaler Kompetenz: Erstens messen wir digitale Grundkompetenzen mit demselben Index, wie wir sie bereits 2024 gemessen haben. Zweitens analysieren wir, wie sich die Schweizer Bevölkerung im Hinblick auf ihre KI-Kompetenzen einschätzt. Dabei fokussieren wir auf drei Dimensionen: Wissen zu KI, Anwendungsfähigkeiten und kritische Reflexion rund um Chancen und Risiken von KI. Beide Messungen beruhen auf dem europäischen Referenzrahmen. Details zu den Messungen sind im Kapitel «Methoden» aufgeführt.

 

Wachsende digitale Kluft oder Kompetenzwandel?

Ein SBB-Ticket über das Smartphone lösen, ein Textdokument bearbeiten oder ein Sicherheitsupdate durchführen: Mit diesen, für viele Menschen alltäglichen, Tätigkeiten hat ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung Mühe. Der DigitalBarometer 2026 zeigt: Durchschnittlich vier von zehn Personen (38 %) fehlen digitale Grundkompetenzen. Dies entspricht einem Anstieg von sieben Prozentpunkten im Vergleich zu 2024 (DigitalBarometer 2024). Auf den ersten Blick weisen die sieben Prozentpunkte auf eine mögliche Vergrösserung des digitalen Grabens hin. Eine vertiefte Analyse der Befunde lässt jedoch eher auf einen tiefgreifenden Wandel digitaler Alltagspraktiken schliessen. Die Messung digitaler Grundkompetenzen basiert auf einem handlungsbasierten Index (s. Kapitel «Methode»), der nach tatsächlich ausgeübten Tätigkeiten fragt (z. B. «Haben Sie in den letzten drei Monaten ein Textprogramm wie Word benutzt»). Seit dem Launch von Chat GPT durch Open AI 2022 hat sich der digitale Alltag stark verändert, die Nutzung generativer KI ist in der Breite der Bevölkerung massiv gestiegen: 2026 nutzen drei Viertel der Schweizer Bevölkerung generative KI, während es 2024 noch die Hälfte war. (Frick, 2026)

 

Durch die Veränderungen der digitalen Alltagspraxis im Zuge von KI kann sich auch die Gültigkeit der Messung von Grundkompetenzen verändern. Wenn Menschen beginnen, KI-Tools zu nutzen, um Texte zu verfassen oder nach Informationen zu suchen, üben sie traditionelle Tätigkeiten (wie das manuelle Bearbeiten von Dokumenten) wahrscheinlich seltener aus. Die erhöhte Zahl ist also möglicherweise nicht das Resultat voranschreitender Kompetenzlücken, sondern das sichtbare Ergebnis einer Verschiebung digitaler Alltagsroutinen. Der europäische Referenzrahmen "Digicomp 2.0", an dem sich unsere Messung digitaler Grundkompetenzen orientiert, wird diesen neuen Realitäten noch nicht vollständig gerecht. Darauf verweist ein Blick in die Daten: Der Anteil der Bevölkerung mit fehlenden digitalen Grundkompetenzen ist, im Vergleich zu den Zahlen des DigitalBarometers 2024, auch innerhalb von Personengruppen gestiegen, die sich 2024 durch eine überdurchschnittlich hohe digitale Kompetenz ausgezeichnet haben: Unter den Personen mit höchstem Bildungsabschluss hat sich der Anteil mit 25 % fehlende Grundkompetenzen fast verdoppelt (von 13 % 2024 auf 25 % 2026), unter den 16 – 25-Jährigen gar verdreifacht (von 11 % auf 35 %).

Diese Befunde deuten darauf hin, dass der beobachtete Anstieg fehlender digitaler Grundkompetenzen möglicherweise eher mit veränderten digitalen Alltagsroutinen als mit einer tatsächlichen Zunahme fehlender digitaler Grundkompetenzen in der Gesamtbevölkerung zusammenhängt.

Diese mögliche Verschiebung digitaler Alltagsroutinen bedeutet nicht,

dass der digitale Graben an Relevanz verliert, denn es zeigen sich weiterhin grosse Ungleichheiten nach soziodemografischen Merkmalen: Bei Menschen ohne nachobligatorische Schulbildung fehlen bei zwei von drei Personen (66 %) digitale Grundkompetenzen, bei armutsbetroffenen und hochaltrigen Menschen sind es über die Hälfte (53 %, bzw. 52 %). Diese Muster spiegeln sich auch in der subjektiven Wahrnehmung wider, mit dem digitalen Wandel grundsätzlich nicht Schritt halten zu können: In der Gesamtbevölkerung ist der Anteil der Personen, die das Gefühl haben, mit der Digitalisierung nicht Schritt halten zu können, auf 24 % gestiegen (im DigitalBarometer 2024 waren es 17 %). Bei Menschen mit tiefer Bildung, armutsbetroffenen und hochaltrigen Menschen ist dieser Anteil signifikant höher. Insgesamt legen diese Befunde nahe, dass sich der digitale Graben nicht auflöst, sondern sich in seiner Ausprägung verändert und je nach Bevölkerungsgruppe unterschiedlich stark wirkt.

Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass die Schweiz mit einem Anteil von 38 % Personen mit fehlenden digitalen Grundkompetenzen unter dem Durchschnitt liegt: In der EU beträgt dieser Anteil in der Altersgruppe der 16- bis 74-Jährigen rund 44 % (Eurostat 2025). Dies unterstreicht, dass der Umgang mit den Herausforderungen des digitalen Wandels keine rein nationale, sondern eine europaweite strukturelle Aufgabe ist.

 

Die Schweiz reflektiert KI-Auswirkungen

Im Hinblick auf die zunehmende Bedeutung von KI für Alltag, Arbeit und gesellschaftliche Prozesse haben wir im diesjährigen DigitalBarometer daher erstmals auch KI-Kompetenzen der Bevölkerung erhoben. Ziel ist es, ein vorausschauendes Bild darüber zu erhalten, wie gut die Schweizer Bevölkerung auf den Umgang mit KI vorbereitet ist.

Die Messung basiert auf einer Selbsteinschätzung entlang von drei zentralen Dimensionen: Erstens dem grundlegenden Verständnis von KI, also dem «Wissen» darüber (z. B. «Ich kann in groben Zügen erklären, was Künstliche Intelligenz ist und wie sie funktioniert»). Zweitens den praktischen «Anwendungsfähigkeiten» (z. B. «Ich weiss, wie ich durch gezielte Eingaben (Prompts) die gewünschten Antworten aus KI-gestützten Chatbots (z. B. ChatGPT, Lumo) erhalte.»). Drittens der «Reflexion» zu KI auf einer Metabene (z. B. Ich denke darüber nach, dass KI-generierte Inhalte gesamtgesellschaftliche Wahrnehmungen und Diskussionen beeinflussen können.»).

Diese drei Dimensionen ermöglichen eine erste Standortbestimmung der KI-Kompetenzen in der Bevölkerung und liefern Hinweise darauf, in welchen Bereichen künftig gezielte Bildungs- und Sensibilisierungsmassnahmen notwendig sein könnten.

Der DigitalBarometer 2026 zeigt, dass sich die Bevölkerung im Umgang mit KI insgesamt als sehr reflektiert einschätzt: Der Durchschnittswert über die gesamte Dimension liegt bei 80 %. Rund neun von zehn Personen geben an, sich der Auswirkungen von KI auf Meinungsbildung und Entscheidungsprozesse in sensiblen gesellschaftlichen Bereichen bewusst zu sein, einen verantwortungsvollen Umgang mit KI als wichtig zu erachten und neue Sicherheitsrisiken durch KI zu erkennen. Auch die Expert:innen aus den Workshops bestätigen diesen Befund und verweisen auf eine grundsätzlich hohe gesellschaftliche Sensibilität gegenüber den Chancen und Risiken von KI. Mögliche Erklärungen dafür sind die starke Alltagspräsenz des Themas, seine zunehmende Durchdringung fast aller Lebensbereiche sowie die hohe mediale Aufmerksamkeit und die diskursive, direktdemokratische Kultur der Schweiz.

Gleichzeitig zeigt sich innerhalb der Dimension ein deutlicher Ausreisser: Nur rund die Hälfte der Bevölkerung (52 %) gibt an, sich kontinuierlich über neue Entwicklungen im Bereich KI informieren und weiterbilden zu wollen. Expert:innen führen dies unter anderem darauf zurück, dass KI-Anwendungen im Alltag oft als einfach und intuitiv wahrgenommen werden, wodurch ihre zugrunde liegende Komplexität unterschätzt wird und der persönliche Weiterbildungsbedarf weniger stark gesehen wird. Eine solche Selbsteinschätzung wäre problematisch, da sie dazu führt, dass notwendige Lern- und Anpassungsprozesse unterschätzt werden und damit langfristig digitale Kompetenzlücken entstehen. Ergänzend zeigen die Daten deutliche Unterschiede nach Belastungserleben und digitalen Kompetenzen: Während 61 % der Personen, die das Gefühl haben, mit der Digitalisierung Schritt halten zu können, sich im Bereich KI weiterbilden möchten, sind es bei Personen mit Überforderungserleben nur 25 %. Auch fehlende digitale Grundkompetenzen wirken sich aus, wenn auch etwas weniger stark: 39 % der Personen ohne digitale Grundkompetenzen beabsichtigen eine kontinuierliche Weiterbildung im Bereich KI, gegenüber 59 % bei Personen mit vorhandenen Grundkompetenzen. Besonders bei jüngeren Menschen ist die Bereitschaft zur Weiterbildung zwar höher als bei älteren, mit 61 % in der Altersgruppe der 16- bis 25-Jährigen aber insgesamt dennoch vergleichsweise tief.

 

Erstaunlich hohe Werte bei KI-Wissen und Anwendungsfähigkeiten

Während die kritische Reflexionsfähigkeit im Umgang mit KI gemäss Selbsteinschätzung sehr ausgeprägt ist, liegen die Werte in den Dimensionen «Wissen» (68 %) und insbesondere «Anwendungsfähigkeit» (53 %) tiefer. Diese Werte sind jedoch nicht zwingend als niedrig zu interpretieren, sondern könnten vielmehr darauf hindeuten, dass sich Selbsteinschätzungen je nach Abstraktionsgrad der Frage unterschiedlich ausfällt: Während abstraktere Fähigkeiten tendenziell höher eingeschätzt werden, sind konkrete, anwendungsbezogene Fähigkeiten stärker von unmittelbarer eigener Erfahrung im Umgang mit KI-Tools geprägt und werden entsprechend differenzierter bewertet.

In der Dimension «Wissen» fallen die Werte für das Bewusstsein der Relevanz von Trainingsdaten für KI-Systeme (81 % der Befragten sind sich deren Relevanz bewusst) sowie der fehlenden Unterscheidbarkeit zwischen KI- und menschengenerierten Inhalten (88 %) am höchsten aus. Rund sechs von zehn Personen (61 %) geben an, grundsätzlich einschätzen zu können, wie KI-generierte Inhalte ihre Kommunikation und Meinungsbildung in Online-Räumen beeinflussen können. Ebenso viele meinen, in groben Zügen erklären zu können, was KI ist und wie sie funktioniert. Das Wissen über KI-Betrugsaktivitäten fällt mit 51 % am tiefsten aus: Rund die Hälfte der Befragten geben an, nicht zu wissen, wo KI aktuell gezielt zu Betrugszwecken eingesetzt wird.

In der Dimension «Anwendungsfähigkeit» geben rund sieben von zehn Personen an, KI-generierte Inhalte auf ihre Korrektheit zu prüfen und bei Unsicherheit weitere Quellen heranzuziehen (70 %). Rund sechs von zehn Personen geben an, über Prompting-Skills zu verfügen (55 %), bzw. generative KI grundsätzlich nutzen zu können (56 %). 45 % der Befragten geben an, steuern zu können, welche persönlichen Daten KI-Systeme sammeln oder nutzen (z. B. durch Deaktivierung der Standortbestimmung) – und rund vier von zehn Personen (37 %) geben an, einem KI-System gezielt Feedback geben zu können, um dessen Vorschläge beeinflussen zu können.

Angesichts der Tatsache, dass KI mit dem Launch von ChatGPT erst vor wenigen Jahren die breite Bevölkerung erreicht hat, sind die Durchschnittswerte sowohl beim Wissen über KI als auch bei den Anwendungsfähigkeiten sehr hoch.

Sie deuten darauf hin, dass sich viele Menschen aktiv und rasch mit neuen Technologien auseinandersetzen. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass es sich hierbei um Selbsteinschätzungen handelt, die tendenziell durch soziale Erwünschtheit beeinflusst sein können und nicht zwingend objektive Kompetenzniveaus widerspiegeln.

Dennoch bestehen Kompetenzlücken, die es zu adressieren gilt: Dass nur rund die Hälfte der Befragten weiss, wo KI aktuell für Betrugszwecke eingesetzt wird, ist ein kritisches Defizit in einer Zeit zunehmender Cyberbedrohungen. Auch im Bereich der aktiven und selbstbestimmten Nutzung bestehen Einschränkungen: Nur 45 % der Befragten wissen, wie sie das Sammeln und die Nutzung persönlicher Daten durch KI-Systeme gezielt steuern können. Dies weist darauf hin, dass viele Nutzer:innen KI zwar anwenden, jedoch nur begrenzt nachvollziehen oder kontrollieren können, wie ihre Daten im Hintergrund verarbeitet werden. Auch im Bereich der Medienkompetenz besteht Handlungsbedarf: Nur rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung (28 %) fühlt sich (eher oder sehr) sicher, Falschinformationen von faktisch korrekten Inhalten unterscheiden zu können.

Insgesamt deutet dies darauf hin, dass sich KI-Kompetenzen in der Bevölkerung noch stark im Aufbau befinden und insbesondere im Bereich kritischer Nutzung und digitaler Selbstbestimmung weiterer Entwicklungsbedarf besteht.

 

KI und Kreativität: Die Sorge um den Verlust der eigenen Gestaltungskraft

Neben den Fragen nach Reflexionsfähigkeit, KI-Wissen und -Anwendungsfähigkeiten haben wir im DigitalBarometer 2026 erstmals auch die Wahrnehmung der Auswirkungen von KI auf die menschliche Kreativität untersucht. Kreativität umfasst dabei nicht nur künstlerisches Schaffen, sondern auch die Fähigkeit zu originellem Denken, Intuition und eigenständiger Ideenentwicklung.

Die Daten zeigen: Drei Viertel der Bevölkerung gehen davon aus, dass KI das kreative Arbeiten der Menschen schwächen wird. Dieses deutliche Misstrauen steht in Kontrast zur hohen Nutzungsbereitschaft generativer KI-Tools im Alltag. Dies deutet darauf hin, dass KI zwar als praktisches Werkzeug zur Unterstützung kognitiver Prozesse wie Informationsverarbeitung, Effizienzsteigerung oder strukturierter Problemlösung akzeptiert wird, gleichzeitig jedoch Bedenken bestehen, dass zentrale Elemente kreativen Denkens – insbesondere originäre Ideenentwicklung, Intuition und der eigenständige schöpferische Prozess – durch KI verdrängt oder geschwächt werden könnten. Eine mögliche Erklärung für diese Diskrepanz ist, dass der kurzfristige praktische Nutzen insbesondere bei kognitiven Aufgaben stärker gewichtet wird als die langfristige Sorge um mögliche Auswirkungen auf kreative Fähigkeiten, zumal technologische Angebote vor allem dann genutzt werden, wenn sie mit geringem Aufwand und hoher Effizienz verbunden sind.

Auch die Expert:innen in den Workshops sehen in der breiten Nutzung generativer KI eine gewisse Gefahr des Verlusts grundlegender kognitiver Kompetenzen, insbesondere bei jungen Menschen. Sie weisen darauf hin, dass die leichte Verfügbarkeit von KI-generierten Inhalten dazu führen kann, dass der eigene, oft mühsame Denkprozess vernachlässigt wird. Wenn KI den ersten Entwurf liefert, entfällt der notwendige Prozess des kreativen Denkens, der für die Entwicklung eigenständiger Ideen notwendig ist. Ausserdem sehen die Expert:innen die Gefahr einer Homogenisierung von Inhalten: Da KI-Modelle ausschliesslich auf bereits bestehende Daten zurückgreifen und Resultate nach Wahrscheinlichkeiten generieren, reproduzieren sie Durchschnittliches, statt echte Innovationen oder unkonventionelle Gedanken zu fördern.

Die hohe Zustimmung zur These einer Schwächung der Kreativität kann als Signal für die Notwendigkeit einer aktiven Gestaltung des Einsatzes generativer KI gedeutet werden: Die Herausforderung für Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft besteht darin, KI so zu integrieren und zu nutzen, dass sie den menschlichen kreativen Prozess unterstützt und nicht ersetzt.

Fazit und Empfehlungen

Die Ergebnisse des DigitalBarometers 2026 verdeutlichen, dass sich die Schweiz an einem bedeutenden Wendepunkt befindet. Während der Anteil der Bevölkerung mit fehlenden digitalen Grundkompetenzen gemäss unserer Messung auf 38 % (im Vergleich zu 31 % im Jahr 2024) gestiegen ist, deutet vieles darauf hin, dass gerade ein fundamentaler Wandel der digitalen Alltagspraktiken im Gang ist, der sich in der Messung digitaler Kompetenzen spiegelt. Durch die starke Verbreitung generativer KI, deren Nutzung sich innerhalb von zwei Jahren auf drei Viertel der Bevölkerung ausgeweitet hat, werden «traditionelle» digitale Tätigkeiten zunehmend durch KI-gestützte Prozesse ersetzt. Dieser rasante Routinewechsel zeigt, dass die Schweizer Bevölkerung sich aktiv und schnell mit neuen Technologien auseinandersetzt. Die bestehenden Messmodelle für digitale Kompetenzen wie der europäische Referenzrahmen "Digicomp 2.0" spiegeln 

diese neuen Realitäten in Bezug auf die Messung digitaler Grundkompetenzen noch nicht vollständig wider. Die ist ein Hinweis darauf, dass die Kompetenzlandschaft sich schneller entwickelt als die Instrumente zu ihrer Erfassung. Es ist deshalb wichtig, neue, zielgruppengerechte Messinstrumente zu entwickeln, um diesem Wandel Rechnung zu tragen.

Trotz der Verschiebung in der Alltagspraxis und zahlreichen Erleichterungen, die generative KI gerade für Menschen mit mangelnden Grundkompetenzen bietet (z. B. über die Nutzung von Sprach-zu-Text-Technologien für Menschen, die mit Lesen und Schreiben Mühe haben), bleibt der digitale Graben eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Bildung, Armut und hohes Alter bleiben die stärksten Einflussfaktoren für digitale Exklusion. Doch es gibt positive Signale: Die Unterschiede zwischen den Altersgruppen haben sich bei den Grundkompetenzen verringert, und im Bereich der spezifischen KI-Kompetenzen zeigen sich deutliche Ressourcen: Die Bevölkerung schätzt sich als hochgradig reflexionsfähig ein (80 %) und auch die Werte bei Wissen (68 %) und Anwendungsfähigkeit (53 %) sind, angesichts der kurzen Zeitspanne, in der KI im digitalen Alltag der breiten Bevölkerung angekommen ist, relativ hoch.

Eine grosse Mehrheit ist sich der fehlenden Unterscheidbarkeit zwischen KI- und menschengenerierten Inhalten bewusst (88 %), was auf eine hohe Sensibilisierung in der Bevölkerung hinweist. Zugleich verweist dies aber auch auf eine potenzielle Herausforderung für die Demokratie, da es zunehmendschwieriger wird, den Wahrheitsgehalt von Inhalten zuverlässig zu prüfen. Ein kritisches Defizit besteht vor allem beim Erkennen von KI-basierten Betrugsversuchen sowie bei der Steuerung privater Daten. Diese Lücken sind klare Handlungsfelder: Sie zeigen, wo gezielte Sensibilisierung und Bildungsmassnahmen im Bereich KI ansetzen müssen, um die individuelle Selbstbestimmung zu stärken – auch rund um die Nutzung generativer KI, da diese unsere Kreativität, unser kritisches Denken und unsere Analysefähigkeit direkt beeinflussen kann. Sowohl die Umfragedaten als auch die qualitativen Vertiefungen im Rahmen der Expert:innen-Workshops zeigen: KI-Kompetenzen müssen künftig in ein breiteres Spektrum digitaler Kompetenzen integriert werden. Der Schwerpunkt der Förderung sollte dabei gemäss Expert:innen nicht nur auf rein technischen Aspekten liegen, sondern ganz gezielt auch auf dem Verständnis von algorithmischen Verzerrungen (Bias), dem eigenständigen, kritischen Denken in Arbeits- und Privatleben sowie der Reflexion der Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt. Vor diesem Hintergrund stellt sich zunehmend die Frage, welche Kompetenzen in Zukunft tatsächlich relevant bleiben werden. Entsprechend braucht es weitere Forschung sowie eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Anpassung des Bildungssystems, um diesen Wandel aktiv zu begleiten.

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