Digitale Schweiz: Stärken, Schwächen und Trends

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Wo sieht die Bevölkerung die Stärken und Schwächen der Schweiz in der digitalen Transformation, und wie haben sich diese Einschätzungen in den letzten Jahren verändert? Und wie nimmt sie den Einfluss der Digitalisierung auf ihr Leben, die Gesellschaft und die Wirtschaft wahr?

Die Digitalisierung prägt alle Lebensbereiche. Vor diesem Hintergrund untersuchen wir jährlich die allgemeine Wahrnehmung von Stärken und Schwächen der Schweiz im digitalen Wandel sowie die Einschätzung von Chancen und Risiken für das individuelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben. Seit 2020 werden diese Einstellungen erhoben, wodurch sich nicht nur ein aktuelles Stimmungsbild, sondern auch Entwicklungen und Veränderungen in der Wahrnehmung der Bevölkerung über die Zeit hinweg beschreiben lassen.

Ein Blick auf die wahrgenommenen Stärken und Schwächen der Schweiz im Kontext der Digitalisierung zeigt: Nach wie vor sieht die Bevölkerung die digitale Infrastruktur, die wissenschaftliche Forschung sowie die Innovationskraft der Wirtschaft als die drei Top-Stärken der Schweiz im Kontext der Digitalisierung. Auch die wahrgenommenen Top 3-Schwächen, die digitale Unabhängigkeit der Schweiz, der Umgang mit Personen, die mit der Digitalisierung nicht Schritt halten können, sowie das Engagement der Politik im Bereich der Digitalisierung, bleiben dieselben. Im Vergleich zu 2025 zeigen sich hier jedoch namhafte Veränderungen in den Bereichen Politik und Verwaltung: Den Umgang mit Personen, die mit der Digitalisierung nicht Schritt halten können, nimmt die Bevölkerung deutlich weniger häufig als Schwäche wahr (46 % gegenüber 58 % im Vorjahr), ebenso das Engagement der Politik im Bereich der Digitalisierung (30 % vs. 45 % im Vorjahr). Auch bei der Bewertung digitaler Behördenleistungen (nicht in der Grafik abgebildet, da nicht in den Top 3 der Nennungen) zeigt sich eine positive Entwicklung: Während eine Mehrheit der Bevölkerung die digitale Verwaltung 2025 noch als Schwäche gewertet hat, schätzt sie diese 2026 nun mehrheitlich als Stärke ein: 41 % der Bevölkerung sieht sie unter den Top 3 der Stärken – damit liegt sie nur knapp hinter Platz drei der wahrgenommenen Stärken. Die Wahrnehmung des politischen und behördlichen Engagements der Schweiz hat sich demnach innerhalb eines Jahres deutlich verbessert.

Während die Wahrnehmung des Engagements von Politik und Verwaltung im Bereich Digitalisierung im Wandel ist, bleibt die digitale Unabhängigkeit der Schweiz mit 46 % (vs. 43 % im Vorjahr) eine der zwei grössten wahrgenommenen Schwächen. Die Bevölkerung scheint die Fähigkeit des Landes, digitale Systeme, Infrastrukturen und Dienstleistungen eigenständig zu gestalten und sicher zu betreiben, zunehmend kritisch zu bewerten. Dies könnte einerseits auf eine wachsende Sensibilisierung für Themen wie Datenschutz, aber auch stärkeres Bewusstsein für Abhängigkeiten von ausländischen Technologieanbietern und die Sicherheit digitaler Infrastruktur hindeuten.

 

Digitalisierung und ihre gesellschaftliche Wirkung: Stimmung kippt

Die seit 2020 mehrheitlich positive Wahrnehmung der Digitalisierung auf das eigene Leben, die Gesellschaft als Ganzes und die Wirtschaft sinkt. Besonders auffällig ist, dass der Einfluss der Digitalisierung auf die Gesellschaft erstmals häufiger negativ als positiv wahrgenommen wird (41 % negativ vs. 34 % positiv). Bereits im letzten Jahr zeigte der Digitalbarometer, dass zwei Drittel der Bevölkerung (66 %) den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Kontext der Digitalisierung als bedroht wahrnehmen (Risiko-Dialog, 2025). Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die tiefgreifenden Veränderungen durch den digitalen Wandel gesamtgesellschaftlich als Herausforderung wahrgenommen werden. Faktoren wie schnelle technologische Entwicklungen, Gefahren durch die Verbreitung von Falschinformationen, der Einfluss digitaler Medien auf die mentale Gesundheit sowie Abhängigkeiten von grossen Technologieunternehmen tragen möglicherweise dazu bei, dass die negativen Auswirkungen der Digitalisierung in der Gesellschaft deutlich wahrgenommen werden.

Die Ergebnisse des DigitalBarometers 2026 machen zudem deutlich, dass diese Wahrnehmung mit dem persönlichen Gefühl zusammenhängen, mit der Digitalisierung Schritt halten zu können: Personen, die glauben, nicht Schritt halten zu können, nehmen die Digitalisierung signifikant häufiger negativ wahr als jene, die das Gefühl haben, Schritt halten zu können. Dies sowohl beim wahrgenommenen Einfluss auf die Gesellschaft (57 % vs. 36 % negative Wahrnehmung) als auch beim wahrgenommenen Einfluss auf das eigene Leben (42 % vs. 14 % negative Wahrnehmung). Dies unterstreicht, dass individuelle Unsicherheiten die Bewertung der Digitalisierung stark prägen.

 

Ein vorsichtiger, aber optimistischer Blick auf die Chancen von KI

In der vorliegenden Ausgabe des Digitalbarometers haben wir, zusätzlich

zu den allgemeinen Chancen- und Risikowahrnehmungen, gezielt die Erwartungen der Bevölkerung an die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) erhoben. KI gewinnt nicht nur an gesellschaftlicher Relevanz, sondern wirft auch spezifische Fragen auf: Unterscheidet sich das Stimmungsbild der Bevölkerung zu KI von der allgemeinen, zunehmend skeptischen Grundhaltung gegenüber technologischem Wandel?

Wir haben die Bevölkerung gefragt, ob sie davon ausgeht, dass die Chancen von KI deren Risiken in den nächsten fünf Jahren überwiegen werden. Im gesamtschweizerischen Durchschnitt zeigt sich eine vorsichtig optimistische Haltung: 48 % der Befragten gehen davon aus, dass die Chancen der KI insgesamt (eher) überwiegen werden, 35 % erwarten (eher) nicht, dass dies der Fall sein wird, und 18 % sind unentschieden.

Die Einschätzungen fallen jedoch sprachregional unterschiedlich aus: In der Deutschschweiz zeigt sich ein sehr ähnliches Bild wie gesamtschweizerisch (50 % sehen die Chancen als grösser an, 34 % die Risiken, 15 % sind unentschieden). In der Romandie ist die Haltung ausgeglichener (42 % Chancen vs. 34 % Risiken), während in der italienischen Schweiz die Skepsis dominiert (37 % Chancen vs. 43 % Risiken). Die Expert:innen in den beiden durchgeführten Workshops erklärten sich den sprachregionalen Unterschied mit einen möglicherweise unterschiedlichen Mediendiskurs. Dieser kann die Grundhaltung zu KI beeinflussen.

Ebenfalls interessant ist, dass sich die grösste Zuversicht bei Befragten zeigt, die in der Industrie- und Produktionsbranche tätig sind (65 % gehen davon aus, dass in 5 Jahren die Chancen überwiegen werden). Da in diesem Sektor KI stärker eingesetzt wird und dort bereits positive Erfahrungswerte vorliegen, ist anzunehmen, dass diese Personen daher optimistischer eingestellt sind.

Die Tatsache, dass rund die Hälfte der Bevölkerung erwartet, dass die Chancen von KI in den nächsten fünf Jahren die Risiken überwiegen werden, überrascht – insbesondere im Vergleich zum Digitalbarometer 2024, da gemäss Zahlen des Digitalbarometers 2024 noch eine recht ambivalente Grundhaltung gegenüber KI-basierten Technologien existierte (35 % positiv und 34 % negativ) (Risiko Dialog, 2024). Im Kontext der rasanten technologischen Entwicklungen und der wachsenden öffentlichen Debatte um KI deuten wir die Ergebnisse dahingehend, dass die Meinungen noch nicht stark gefestigt sind, wobei zunehmend auch eigene Erfahrungen mit KI-Tools eine optimistischere Haltung unterstützen.

 

KI am Arbeitsplatz: Fast die Hälfte erwartet Umbruch

Die Digitalisierung und insbesondere Künstliche Intelligenz (KI) verändern nicht nur technologische Rahmenbedingungen, sondern auch die Art und Weise, wie Menschen ihre berufliche und private Zukunft sehen. Neben der allgemeinen Einschätzung von KI haben wir daher untersucht, wie die Schweizer Bevölkerung die konkreten Auswirkungen auf Arbeitswelt und Alltag bewertet.

47 % der Befragten geht davon aus, dass KI in den nächsten fünf Jahren zu deutlichen Veränderungen in der Arbeitswelt führen wird. 35 % teilen diese Erwartung nicht, während 18 % unentschieden sind. Die Einschätzungen variieren stark nach Alter: Besonders junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren erwarten mit 62 % häufiger tiefgreifende Veränderungen – ein deutlich höherer Anteil als in der Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen, von denen nur 46 % damit rechnen. Schliesslich zeigt sich auch ein berufsspezifisches Muster: Beschäftigte im Dienstleistungssektor (63 %) erwarten häufiger Umbrüche durch KI als etwa Personen, die im Gesundheits- und Sozialwesen (46 %) arbeiten.

Eine Studie des KOF-Instituts der ETH Zürich, welche den Einfluss von KI auf dem Arbeitsmarkt untersuchte, zeigt: jüngere Personen sind zurzeit stärker von den Arbeitsmarkteffekten betroffen als ältere Personen (Kläui Jeremias & Siegenthaler Michael, 2025). Ausserdem ist der Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt je nach Branche und Beruf unterschiedlich. KI-Verlierer sind gemäss dieser Studie vor allem die Berufe Programmierer und Softwareentwickler. Diese unterschiedlichen Betroffenheiten je nach Alter und Branche sind mögliche Erklärungen für die variierenden Erwartungshaltungen, die sich in der Umfrage zeigten.

Deutlich skeptischer zeigt sich die Bevölkerung, wenn es um die Frage geht, ob KI neue berufliche Möglichkeiten eröffnen wird. Nur 27 % glauben daran, während 53 % dies ablehnen und 20 % keine klare Meinung haben. Auch hier zeigen sich markante Unterschiede: Männer stimmen der Aussage signifikant häufiger zu als Frauen (34 % vs. 21 %), während die Zuversicht ab einem Alter von 50 Jahren tendenziell abnimmt. Nach Berufsfeldern zeigt sich die höchste Zustimmung in den Bereichen Bauwesen sowie Industrie und Produktion, während sie im Bildungsbereich am niedrigsten ausfällt.

Diese vorsichtige Haltung deutet darauf hin, dass zwar viele Menschen KI als treibende Kraft des Wandels wahrnehmen, ihr tatsächliches Potenzial für neue Chancen jedoch noch unklar oder unsicher erscheint. Die Skepsis könnte darauf zurückzuführen sein, dass die langfristigen Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt als schwer absehbar wahrgenommen werden und viele Personen daher eher Zurückhaltung als Optimismus zeigen.

 

Erleichterung des Privatlebens durch KI?

Ebenfalls eher ambivalent fällt die Einschätzung aus, ob KI das Privatleben in den nächsten fünf Jahren erleichtern wird. 38 % stimmen dieser Aussage zu, 52 % lehnen sie ab, und 10 % sind unentschieden oder haben keine klare Meinung. Ein deutlicher Unterschied zeigt sich beim Erwerbsstatus: 47 % der vollerwerbstätigen Personen stimmen der Aussage zu, während dieser Anteil bei den nicht erwerbstätigen Personen bei 34 % liegt. Dies könnte darauf hinweisen, dass Menschen, die im Berufsalltag bereits mit digitalen Tools oder KI-Anwendungen konfrontiert sind, praktische Vorteile eher erkennen als solche, die weniger direkt damit in Berührung kommen.

Fazit und Empfehlungen

Die Verschiebungen bei den Wahrnehmungen von Stärken und Schwächen zeigen, dass Fortschritte bei konkreten staatlichen Leistungen und Initiativen von der Bevölkerung zunehmend wahrgenommen und anerkannt werden. Das verstärkte Engagement der Schweiz zur Förderung digitaler Inklusion, z. B. über die breit getragene Allianz Digitale Inklusion Schweiz ADIS, scheinen hier Wirkung zu zeigen, indem sie den digitalen Zugang und die Teilhabe breiter Bevölkerungsschichten verbessern. Solche Massnahmen könnten langfristig dazu beitragen, das Vertrauen in die digitale Transformation zu stärken. Gleichzeitig nehmen die Bedenken gegenüber gesellschaftlichen Risiken zu. Erstmals nimmt die Schweizer Bevölkerung den Einfluss der Digitalisierung auf die Gesellschaft häufiger negativ als positiv wahr. Wir gehen davon aus, dass hier Themen wie die digitale Spaltung, Informationsmanipulation oder das Gefühl, dass technologische Entwicklungen demokratische Prozesse überlagern, im Vordergrund stehen. Besonders auffällig ist auch die Schwächewahrnehmung der digitalen Souveränität der Schweiz, die von fast der Hälfte der Bevölkerung als Top- Schwäche eingestuft wird. Es ist anzunehmen, dass hier unterschiedliche Bedenken hinsichtlich Abhängigkeiten von internationalen Technologieanbietern, Fragen zur Datensicherheit sowie zur Fähigkeit des Staates, digitale Infrastrukturen aktiv zu gestalten und zu schützen, zusammenkommen. Die Erwartungen rund um KI sind gespalten. Knapp die Hälfte der Bevölkerung geht davon aus, dass die Chancen von KI die Risiken in den nächsten fünf Jahren überwiegen werden – ein grundsätzlich optimistisches Signal. Interessant ist, dass zwar viele KI als verändernde Kraft anerkennen, ihr konkretes Veränderungspotenzial für neue Berufsfelder oder im Privatkontext jedoch noch unsicher bewertet wird. Teilweise ist dies über unterschiedliche Betroffenheit erklärbar. Die Ergebnisse könnten aber auch darauf hindeuten, dass die langfristigen Auswirkungen von KI für viele schwer greifbar sind und dass das Vertrauen der Bevölkerung in die Technologie noch aufgebaut werden muss. Dies gelingt durch einen kontinuierlichen, inklusiven und offenen Dialog zwischen öffentlichen und privaten Akteuren sowie der Bevölkerung. Dabei gilt es, vorhandene Ängste ernst zu nehmen und allfällige Missverständnisse abzubauen. Entscheidend für die Zukunft der digitalen Schweiz ist jetzt, Innovation konsequent mit klaren gesellschaftsorientierten Leitplanken zu verbinden – etwa durch klare Governance- und Regulierungsrahmen für den KI-Einsatz oder gezielte Förderung von Weiterbildung. Um Bedenken in Bezug auf die digitale Souveränität effektiv zu adressieren, braucht es konkrete Massnahmen, welche die staatliche Handlungsfähigkeit gewährleisten sowie die Resilienz von Unternehmen im digitalen Raum stärken. Gezielte Investitionen in nationale KI-Infrastrukturen und in die Cybersicherheit werden hierbei als zielführend erachtet. Ebenso könnten durch zusätzliche Kriterien für die öffentliche Beschaffung Abhängigkeiten und Risiken für kritische Anwendungen expliziter behandelt werden, was sich zugunsten der digitalen Souveränität auswirken würde. Indem staatliche und private Akteure transparenter über den Einsatz neuer Technologien informieren und die Bevölkerung stärker in Entscheidungsprozesse einbeziehen, wird Vertrauen aktiv aufgebaut und die digitale Selbstbestimmung von Privatpersonen besser gewährleistet.

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